Presse



Der Zorn der Elche

(19.08.2003 – Tagesspiegel)

Hier hier die Abschrift vom Bericht:

“Ein Selbstständiger hilft beim Ikea-Möbel-Transport – und bekommt es mit Ikea zu tun (von Rainer W. During)

Was tun, wenn der Einkauf im „unmöglichen Möbelhaus“ doch einmal größer geworden ist und die Ware nicht in den Kofferraum passt? Eine Frage, die sich schon viele Ikea-Kunden gestellt haben. Dass er an die Partnerspedition des Möbelkonzerns einmal 75 Euro für die acht Kilometer von Spandau nach Tegel zahlen und auch noch Tage auf seine Möbel warten musste, hat Claus Seide geärgert. Jetzt macht er den Transporteuren mit einem eigenen Möbeltaxi Konkurrenz. Und bekommt den Zorn der Elche zu spüren.

Seit Mai vermittelt der ehemalige Messebauer private Spediteure. Sechs selbstständige Unternehmer arbeiten mit ihm zusammen, zwei davon als Ich-AGs. Für eine Pauschale von 35 Euro geht es in alle Westbezirke, nach Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain. Von den Einnahmen kassiert Seide, der mit Handzetteln, Plakaten und einer Website für das Möbeltaxi wirbt, einen Anteil als Vermittler.

Beim Ikea-Konzern und dessen Speditionspartner Iwanter reagierte man sauer. Seide und seine Mitstreiter erhielten Hausverbot. Mit selbst gestrickten Halteverboten und abgestellten Anhängern habe man versucht, die Möbeltaxis zu vertreiben, klagt der 38-Jährige. Jetzt hat er sich gegenüber dem Möbelhaus auf öffentlichem Straßenland postiert. Hier will der Berliner beim Tiefbauamt eine Beladezone für die Fahrzeuge beantragen.

Am Dienstag eskalierte der Streit. Seide musste ein Plakat vom Zaun einer gegenüberliegenden Firma entfernen, weil diese die Zusage zur Vermietung der Werbefläche auf Intervention von Ikea vorerst zurückgenommen hat. Außerdem sei die Zahl seiner Aufträge drastisch zurückgegangen, weil Mitarbeiter von Iwanter potenziellen Kunden erzählt hätten, sie ließen sich mit Schwarzarbeitern ein und würden Arbeitsplätze gefährden. Seide weist die Vorwürfe zurück. Jeder in seinem Team habe eine Gewerbeerlaubnis, und die Transporte seien versichert.

Bei Ikea sieht man die Dinge anders. Kunden würden sich unter Druck gesetzt fühlen, die Möbeltaxis nicht professionell arbeiten, sagt der stellvertretende Hausleiter Tony Bibaoui. Nur beim offiziellen Partner könne Ikea eine korrekte Abwicklung gewährleisten. Bei Iwanter hat man auf die Konkurrenz reagiert und verteilt jetzt selbst Werbezettel. Wenn alle gekauften Waren am Spandauer Lager sind, liefere der offizielle Partner jetzt auch am selben Tag und zum gleichen oder noch niedrigeren Preis, so Bibaoui. Claus Seide will nun sein Angebot um einen Montageservice erweitern.”


Hände weg vom Ikea-Kunden

(11.09.2003 – Tagesspiegel)

Hier hier die Abschrift vom Bericht:

“Vergleich im Streit zwischen Haus-Spediteur und Möbel-Taxi (von Rainer W. During)

„Streitest Du noch oder lebst Du schon“, so konnte man gestern den Werbespruch des „unmöglichen“ Möbelhauses Ikea abwandeln. Und hinzufügen: Man lebt schon. Am Mittwoch beendete das Landgericht den Streit zwischen dem Ikea-Spediteur Iwanter und Claus Seide, der seit Mai vor der Möbelhaus-Filiale in Spandau die Dienste seines Möbel-Taxis anbietet – was Ikea untersagen wollte. Aber daraus wurde nichts. Die Richter beendeten den Fall mit einem Vergleich. Danach darf sich Seide, der seit Mai vor dem Spandauer Ikea-Haus Soforttransporte vermittelt, weiter Möbel-Taxi nennen. Seine Fahrer dürfen aber keine Kunden mehr mitnehmen. Im Gegenzug sicherte Iwanter zu, das Ikea-Gelände nicht mehr mit Halteverbotsschilder zu pflastern, die den Konkurrenten verdrängen. Außerdem untersagt das Gericht beiden Parteien das Anfassen von Kunden und deren Transportwagen. In der Vergangenheit hatte man offenbar bisweilen Hand angelegt, um potenzielle Kunden auf den „richtigen“ Weg zu bringen. Auch die unaufgeforderte Ansprache möglicher Auftraggeber ist beiden Spediteuren jetzt verboten. Sie müssen ihre Werbezettel künftig stumm verteilen und nur auf Fragen antworten.

Obwohl der Iwanter-Anwalt den Fall als „wirtschaftlich unwichtig“ bezeichnete, hatte man den neuen Konkurrenten gleich in einem guten Dutzend von Punkten vor den Kadi gezerrt. Doch bei seiner Werbung hatte Seide bereits wettbewerbsrechtlich nachgebessert. Und neben dem Handy hat er jetzt auch einen Firmensitz im Bürogebäude gleich gegenüber der Elche. „Sie müssen sich nicht lieben lernen, aber zueinander Verständnis finden“, gab der Richter den Kontrahenten mit auf den Weg. Seides Anwalt will jetzt auch auf Rücknahme des Hausverbots durch Ikea drängen.”


Ikea erteilt Hausverbot für Möbel-Taxis

(20.02.2013 – BZ)

Hier hier die Abschrift vom Bericht:

“Die Konflikte zwischen dem Möbelriesen Ikea und den Transport-Taxis eskalieren immer mehr.

Wut und Frust auf den Parkplätzen vor den Ikea-Filialen. Der schwedische Möbelriese will alle unabhängigen Transportunternehmen vertreiben. Deshalb erteilte Ikea den gewerblichen Billy-Schleppern ein Hausverbot! „Die Konflikte brodeln schon seit vielen Jahren“, sagt Claus Seide (48), Chef von Möbeltaxi Berlin. Er ist einer von mehreren Unternehmern, die für Ikea-Kunden die Möbel nach Hause fahren. „Und das machen wir für die Hälfte der Kosten des Ikea-Vertragsunternehmens. Die schaffen oft nicht mal den Andrang.“

Das sieht Ikea ganz anders: „Auf unser Transportunternehmen können wir uns verlassen“, sagte die Lichtenberger Ikea-Chefin Jutta Iskalla. „Wir haben auch die Bezahlung von Transportschäden geregelt. Bei Problemen mit externen Unternehmen wird aber auch bei uns reklamiert, obwohl wir dafür nicht verantwortlich sind.“

Die Chefin der Tempelhofer Filiale, Susanne Kern, nennt einen weiteren Grund für die erteilten Hausverbote: „Im Kampf um die Kunden gab es immer wieder Ärger unter den Möbel-Taxis selbst. In diese Konflikte wurden unsere Gäste hineingezogen.“ Nicht nur deutsche, auch türkische und rumänische Transporteure waren dick im Ikea-Geschäft. Weil es immer mehr Beschwerden gab, lässt Ikea jetzt auf seinen Parkplätzen Streifen patrouillieren, alle illegalen Transporter aufschreiben und anzeigen.”


Möbeltaxen-Krieg bei Ikea

(26.02.2013 – Tagesspiegel)

Hier hier die Abschrift vom Bericht:

“Auf den Parkplätzen vor den Ikea-Filialen warten Möbel-Taxis für die Hilfe beim Transport. Doch das Einrichtungshaus geht gegen die freien Unternehmer vor – mit heftigen Methoden, wie Betroffene berichten. von Kerstin Hense

Der Möbeltaxen-Krieg bei Ikea hat sich zugespitzt: Seit langem schwelt ein Streit zwischen dem schwedischen Möbelriesen und den Transporttaxis. Doch jetzt will das Unternehmen alle unabhängigen Lieferanten vertreiben und sprach ein Hausverbot aus. „Der Ärger dauert seit Jahren, aber jetzt wird es zu viel“ , sagt Frank Steinert, Chef des Unternehmens „Steinert Möbel- und Transporttaxi“.

Seit fünf Jahren fährt der 48-Jährige für Ikea-Kunden die Möbel nach Hause, als einer von vielen Anbietern. „Wir können nicht nur schneller reagieren, sondern sind um die Hälfte günstiger als der hauseigene Ikea-Transport. Ohne uns würden die gar nicht alle Aufträge schaffen“, sagt Steinert. Er selbst werde das Ikea-Hausverbot nicht akzeptieren: „Ich werde weiter mit meinem Wagen auf den Parkplatz fahren, um meine Kunden abzuholen.“

Inzwischen ist der Konflikt auch auf den Parkplätzen eskaliert. Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens liefen dort Streife und notierten die Nummerschilder der illegalen Transporter, um ihnen mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs zu drohen. Das berichtet ein anderer Möbeltaxi-Betreiber. „Wir dürfen noch nicht mal mehr zum Beladen auf den Parkplatz fahren“, sagt Claus Seidel, Inhaber von „Möbeltaxi Berlin“. Er selbst habe bereits eine Anzeige erhalten, die Hälfte seines Umsatzes sei schon weggebrochen. „Das sind nichts weiter als reine Drohszenarien“, sagt Rechtsanwalt Heiner Wiewer, der mehrere Möbeltaxi-Unternehmer juristisch betreut. Ein Hausfriedensbruch könne gar nicht vorliegen, da hier die Straßenverkehrsordnung für jedermann gelte und das dem Privatkunden- und Verbraucherinteresse dienende Halten zum Be- und Entladen unbeschränkt erlaubt sei. Zudem seien die Parkflächen schrankenlos ohne Weiteres der Allgemeinheit zugänglich und die Kunden wünschten den Transport selbst. Es sei nun mal freier Wettbewerb, dass sich der Verbraucher den wirtschaftlich günstigsten Anbieter aussuchen könne.

Allerdings darf die Konkurrenz der Transporteure nicht so groß werden, dass sich Kunden belästigt fühlen. In der Vergangenheit warben Fahrer massiv um Kunden und fingen sie bereits vor den Ausgängen ab. Anwalt Wiewer rechnet damit, dass Ikea an einer friedlichen Lösung interessiert sei und wieder auf die Transportunternehmen zugehe.

Diese Hoffnung könnte sich bewahrheiten. „Wir möchten eine gute Lösung für unsere Kunden finden und möchten, dass mit unseren Service-Partnern gearbeitet wird“, sagt die Lichtenberger Ikea-Chefin Jutta Iskalla. Sie geht allerdings von einem Vorrecht für den Ikea-eigenen Service aus; dort sei auch die Bezahlung von Transportschäden geregelt. Probleme mit externen Unternehmen würden beim Möbelhaus reklamiert, obwohl es nicht verantwortlich sei. Das Argument hält Wiewer für wenig schlagkräftig. „Meine Mandanten haben eine Betriebsversicherung, die im Falle eines Schadens greift.“ Der Ärger auf dem Parkplatz geht erst mal weiter.”